Wissenswertes

Der Bauernkrieg im Fuldaer Land

Die Lebensumstände der einfachen deutschen Bevölkerung waren Anfang des 16. Jahrhunderts katastrophal. Die Menschen mussten immer mehr Frondienste leisten und von Seiten des Adels und des Klerus hatten sie stetig unverschämtere Zinszahlungen zu schultern. Seit einiger Zeit gärte unter dem gemeinen Volk der Unmut. Ausgebeutet und an den Rand des Existenzminimums gedrängt, sahen sie den Reichtum der Fürsten und Bischöfe immer weiter anwachsen. Die Kirchenväter rechtfertigten die Abgabe des Zehnten mit angeblichen Passagen aus der Bibel und die Fürsten hielten ihre Macht ohnehin für gottgegeben.

Bauern als Leibeigene

Eine nicht unwesentliche Rolle im Bauernaufstand spielte die Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche. Martin Luther, ein kleiner Wittenberger Mönch begehrte gegen die katholische Kirche und den Ablasshandel auf und machte es erstmals möglich, die angeblichen Beweise in der Heiligen Schrift nachzuprüfen. Auch wenn viele Bauern und Leibeigene im Fuldaer Land weder lesen noch schreiben konnten, wurde Luthers Bibel zum ersten Bestseller der deutschen Geschichte. Das laute, teils auch öffentliche Vorlesen war damals ebenso beliebt wie dieser Tage das Fernsehen.

Die Rolle Hans Dahlkopfs

Folgt man dem Fulda Radweg, passiert man auch den Frauenberg. Die Bauern und Stadtbewohner scharrten sich um ihren Anführer Hans Dahlkopf und belagerten das Franziskanerkloster am Frauenberg. Über 10.000 Menschen folgten dem sogenannten „Pfaff von Dipperz“, der dem einfachen Volk zu seinem Recht verhelfen wollte. Beinahe gelang der Aufstand in Fulda auch. Kurz bevor die Truppen Dahlkopfs das Kloster erstürmen und unter ihre Kontrolle bringen konnten, griff der Landgraf in den Bauernkrieg ein. Philipp von Hessen, genannt der Großmütige kam dem Stift mit seinem schlagkräftigen Heer zu Hilfe. Die nur schlecht ausgerüsteten Bauern hatten den militärisch geschulten Söldnern nichts entgegenzusetzen und wurden in die Flucht geschlagen.

Philipp von Hessen als Helfer in der Notlage

So brutal Philipp von Hessen gegen die Bauern vorging, so umsichtig zeigte er sich im Anschluss. Er schickte Gesandte in alle Dörfer und Städte, so auch nach Fulda, um die Gründe für die Missstände zu erfahren. Die Menschen konnten freimütig über ihre Notlage reden und Korruptionsfälle anprangern. Der Landgraf bemühte sich als einer der wenigen deutschen Herrscher ernsthaft darum, seine Untertanen zufrieden zu stellen. Viele der vorgetragenen Fehlentwicklungen wurden von Philipp korrigiert, was seiner Beliebtheit durchaus dienlich war.

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